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Gute Achtsamkeitsübung, um innere Ruhe zu finden

von Ingo Zacharias am 25. November 2010

Von der Peripherie ins Zentrum kommen

Die meisten Menschen haben heutzutage einen prall gefüllten Terminkalender mit Aufgaben und Verpflichtungen – beruflich wie privat. Wir sind ständig im Tun und Machen, sind sehr geschäftig. Dabei leben wir aber meistens in einem „Auto-Piloten-Modus“. Dieses Verhalten ist gekennzeichnet durch ein automatisches Reagieren auf Sinneseindrücke von Dingen, Situationen oder Menschen. Fast jeden Augenblick bewerten, vergleichen wir, treffen begriffliche Einordnungen. Für uns ist das so normal, dass wir es in der Regel nicht hinterfragen.

Für viele Menschen ist das ständige Aktivsein aber zugleich sehr anstrengend und auslaugend. Sie erleben, dass sie oft nur „funktionieren“ und wünschen sich, den Stress des ständigen Tuns sowie das unaufhaltsam kreisende Gedankenkarussell einmal anhalten zu können und zur Ruhe zu kommen.

Achtsamkeit als Schlüssel, um aus dem Automatismus auszusteigen

Was diesen Menschen fehlt, ist die Fähigkeit zur Achtsamkeit, zur Bewusstheit. Sie haben keine wirkliche Instanz in sich, die alles, was auf sie einströmt, zunächst einmal wie von einer höheren Warte quasi „neutral“ wahrnimmt, also nicht-wertend und nicht-einordnend. Sie haben kein Erleben von einer inneren Mitte, in der sie verankert sind und aus der heraus sie entscheiden, was sie tun und lassen möchten, was für sie selbst und für andere wirklich gut ist.

Wenn Sie sich auch so erleben, möchte ich Ihnen mit der Meditation „Zu uns selbst zurück kommen“ eine sehr gute Übung vorstellen, um achtsamer, ruhiger und weniger automatisch zu leben. Die Meditation können Sie hier hören und kostenlos herunterladen. Mein Dank für diese Übung gilt Karl Riedl. Bei ihm im Intersein-Zentrum habe ich diese Übung kennengelernt. Die Grundstruktur der Übung habe ich beibehalten, der Text für die hier zu hörende Version stammt von mir.

In der Meditation versuchen Sie achtsam wahrzunehmen, was an Geräuschen, Körperempfindungen und Gedanken in Ihr Bewusstsein tritt. Sie üben sich darin, nicht automatisch darauf zu reagieren, sondern die Eindrücke „stehen zu lassen“.

Zunächst erleben Sie durch die Übung wahrscheinlich ein Gefühl von Entspannung, Wohlbefinden, zur Ruhe kommen. Nach einiger Zeit gelangen Sie aber zu einer weiteren inneren Erfahrung. Sie erleben deutlich, dass Sie nicht mehr so leicht von den vielen Geschäftigkeiten des Alltags „herumgewirbelt“ werden, und fühlen sich mehr in Ihrem inneren Zentrum, Ihrer eigenen Mitte verortet. In dieser Mitte sind Sie gesammelt, fest, ruhig und klar.

Sie erleben zwar weiterhin alles, was an Eindrücken auf Sie zukommt (die Übung dient nicht dazu, sich aus der Welt „rauszuziehen“!), aber sie bringen Sie – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht mehr aus der Ruhe. So entwickeln Sie auch für Ihren Alltag die Kraft, nicht mehr automatisch auf das, was von außen auf Sie zukommt, mit Gedanken und Handeln reagieren zu müssen.

Im Auge des Hurrikans sind Sie sicher

Das Auge des Hurrikans

Der Vergleich mit einem Hurrikan verdeutlicht diese Verschiebung. Er besteht aus einem Zentrum und dem „Drumherum“, der Peripherie. Dieses Äußere des Hurrikans ist in starker und ständiger Bewegung –  wie wir, die wir ständig aktiv sind und automatisch reagieren. Im Auge des Hurrikans, dem Zentrum, herrscht dagegen Windstille. Hier ist unser „Achtsamkeits-Ruhepunkt“. In dieser Mitte – und nur dort – sind wir wirklich sicher und können Ruhe finden, können ganz zu uns selbst zurück finden.

Anders in die nächsten Aktivitäten gehen

Mit dem Erleben, wieder mehr „Herr im eigenen Hause“ zu sein, können Sie dann mit neuer Frische und Klarheit auf die nächsten Aktivitäten zugehen und neu bedenken, ob und wie Sie diese Aktivitäten ausführen wollen. Erwarten Sie dabei aber keine sofortigen, großen Veränderungen. Dieser neue Bewusstseinsfokus entwickelt meistens langsam seine Kraft und Weisheit, Dinge zu ändern und mehr „Sie selbst zu sein“.

Während des Tages immer wieder kurz zu sich selbst zurück kommen

Wenn Ihnen die Übung nach einer Weile vertraut ist, können Sie auch im Alltag immer wieder für einige Atemzüge, für 30 Sekunden (siehe unten auf diesem Blog) oder für 1-2 Minuten ganz zu sich selbst zurück kommen, sich wieder von der Peripherie des Denkens und Handelns kurz in Ihre innere Mitte bringen. Ob im Büro vor dem PC, in der S-Bahn, vor der Ampel: erlauben Sie sich kurz aus der Geschäftigkeit auszusteigen, sich ganz zu spüren und jetzt für diese wenigen Momente nicht automatisch reagieren zu müssen. Dabei ist es sinnvoll, die Wahrnehmung sofort auf den Atem zu lenken. Er ist ein innerer Ankerpunkt, der uns ständig zu Verfügung steht und leicht zu spüren ist.

Die Schwierigkeit für die meisten Menschen besteht im Alltag darin, sich auch tatsächlich an die Übung während des Tages zu erinnern und sie als so wichtig anzusehen, sie wenigstens für einige Atemzüge durchzuführen. So können Sie sich beispielsweise an die positiven Wirkungen der längeren Version der Übung erinnern oder an Ihren Entschluss, nicht mehr nur „funktionieren“ zu wollen.

Die Übung „Zu uns selbst zurück kommen“ berührt noch einige weitere Aspekte unserer Persönlichkeit und Selbstwahrnehmung, die uns zu mehr heiterer Gelassenheit verhelfen kann. Hierauf werde ich in weiteren Blogartikeln eingehen.

Ausprobieren und hören

Sie möchten die Übung jetzt ausprobieren oder zu einem späteren Zeitpunkt hören? Klicken Sie auf den Pfeil unten oder laden Sie sie gleich hier auf Ihren PC runter.

[audio:https://www.heiterundgelassen.de/wp-content/uploads/2010/11/Ingo_Zacharias_-_Zu_uns_selbst_zurück_kommen.mp3|titles=Zu uns selbst zurück kommen]

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen mit Ihren ganz persönlichen Erfahrungen dieser Übung!

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